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Uwe Sarnow – Ick male wat ick sehe!

Uwe Sarnow: ein Berliner Maler.

Er war ein flüchtiger Bekannter, später ein Nachbar. Wir kannten uns von den Jobs der 80er Jahre im Osten Berlins. Verschiedene Verrichtungen hielten uns so über Wasser. Nur gelegentlich wurden wir gefordert. Damit ließen sie uns genug eigene Zeit. Hierum gings. Ein kleine verschworene Gemeinde, die ständig Tipps zum Überleben weitergab. Man brauchte sich. Der Kontakt war nicht eng. Den Ausstieg hatten man hinter sich. Nach den Gründen solchen Lebens wurde nicht nachhaltig gefragt.

Als ich erstmals mit den Bilder Uwe Sarnows konfrontiert wurde, überschnitten sich in mir zwei Biografien, die nicht wirklich zusammengehören wollten. Gab es hier ein zweites Leben? Doch tatsächlich erklärte sich erst jetzt das eine aus dem anderen: Die Beschäftigung mit Malerei seit der Steinmetzlehre, der Kontakt zu Eva Vent, seiner frühen Lehrmeisterin in Sachen Malerei, der Wunsch nach mehr Zeit zum Malen, der Ausstieg aus dem „bürgerlichen Leben“. Broterwerb und freies Schaffen, ein Nebeneinander das Umwege einfordert und Zeit frisst.

Die Berliner Schule ist tot. Die Berliner Schule lebt. Diejenigen, die den Begriff in der DDR geprägt, die ihn mit Bildern gefüllt haben, würden sich über die Lebendigkeit und über ein Bekenntnis zu ihr heute vielleicht wundern, tritt doch hier jemand an, den sie von keiner Kunsthochschule, von keiner der Ost-Berliner Verbandsquerelen, von keiner Ausstellung und auch von keinem Ausstellungsverbot der 80er Jahre her kennen. Und dennoch: Da ist ein Berliner Maler und der sieht sich klar in dieser Berliner Tradition.

Der Mensch, die weibliche Figur, der Akt insbesondere, sind für Uwe Sarnow ständige Herausforderung. Dabei ist auch eine nicht stillbare Sehnsucht unverkennbar. Der Maler kennt sein Motiv, sein Sujet und hält es uns in der von ihm erkannten Lebendigkeit hoch und vor. Da ist nichts Totes, nichts Verstaubtes. Selbst die Darstellung des Pferdes wird nicht ausgeklammert. Kein Zugeständnis und Umschiffen möglicherweise gefährlich versumpfter Kunstgewässer. Frisch gemalt.

Der scheinbare Griff in die Konvention ist nicht Rückgriff, sondern gilt ihm als etwas Fortzuentwickelndes. Herkunft wird nicht geleugnet. Da wird gearbeitet und sich gerieben. Nichts wird als endgültig behauptet, das Atelier offen gehalten, Moden nicht angenommen. Kein Trendsetting also. Kein früher Tod.

Seine Bilder sind immer Ergebnis eigenen Erlebens. Der Prozess ihrer Herstellung hat sich jedoch verändert. Anfangs folgte der Skizze die Vorzeichnung auf der Leinwand und dieser das fertige Bild. Aus der Komposition ließ der Maler vorsichtig das Bild entstehen. Diese Spur wurde langsam verlassen und der Spontanität mehr Raum gegeben. Jetzt wird der eigenen Lust selbstbewusst mehr vertraut. Die auf diese Weise entstehende neue Spannung wird offensichtlich ausgehalten. Die Malerei Uwe Sarnows entfernt sich so vom allzu Konkreten. Das direkte Abbildenwollen tritt in den Hintergrund. Die Bilder sind frischer geworden. Sie werden subjektiver und dennoch verallgemeinerbarer. Es sind gültige Ergebnisse, Berliner Bilder.

Uwe Warnke                                                            Berlin, Januar 2000

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