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Christoph Meyer – Von Linien, Strukturen und Farben in Büchern

Als ich Christoph Meyer vor etlichen Jahren kennen lernte, suchte er Kontakt zur Künstlerbuchszene. Es ging ihm um einen Austausch. Er wollte mit Kollegen reden und drängte dabei längst mit seinen Büchern auf den Markt. Das war auch nur folgerichtig, denn da waren im Stillen erstaunliche Bücher entstanden – Malerbücher, Künstlerbücher. Die Qualität war überzeugend. Ich nahm einiges mit auf die Buchmessen. Die Sammler waren positiv überrascht und schlugen zu. Arbeiten Christoph Meyers tauchten in meiner Künstlerzeitschrift Entwerter/Oder auf. Alles fügte sich und passte gut zueinander.

Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit ist bei Christoph Meyer immer der Strich. Dieser beschreibt bei ihm häufig eine Form, ist ein Spiel auf der leeren Fläche. Lockerheit in der Hand, geregelte Abläufe. Manchmal sind es auch Liniaturen, die das Blatt beherrschen. Da geht die Linie in die Fläche, sucht sie Halt an den Blattgrenzen, wird zur Struktur. Doch immer sind es Zeichnungen.

Über die Jahre hat sich eine Sparsamkeit der Linienführung durchgesetzt. Die Auseinander-setzung mit dem weißen, leeren Blatt, tägliche Arbeit und immer wieder Neubeginn, hat bei Meyer zu wunderbaren Lösungen geführt. Es ist durchaus auch mutig zu nennen und zeugt vom Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, der Leere auf der Fläche auch Raum zu geben, sie zuzulassen und auszuhalten.

Dabei spielt die Farbe keine geringe Rolle. Das beginnt bei der Farbigkeit des Papiers und seiner Struktur. Beides ist Teil der Lösung. Bei der Auswahl der Materialien ist nichts zufällig. Die Wahl der Farben greift nicht ins Pastose. Es sind kräftige Farben. Sie sind Engagement – ein Leuchten.

Die Arbeit führt Christoph Meyer immer auch zum Thema Buch. Er hat Lust, sich diesem zu widmen. Das Nachdenken über die Zwangsläufigkeiten von Buch, seinen Ordnungen, seinen Gesetz-mäßigleiten, seinem geschlossenen Charakter usw, wird immer wieder aufgenommen. Es hat fast etwas Serielles, hier immer wieder neu einen Anfang zu machen. So entsteht im unikaten Bereich Buch für Buch. Dabei werden einmal gefundene Lösungen variiert und weiter gesponnen, Ideen fortgeführt, neue Wege gesucht.

Dass Meyer irgendwann eine eigene kleine Presse gründet, war dann nur noch eine Frage der Zeit: CHRISTOPH MEYER ALIGATORPRESS. Eine Presse für von Christoph Meyer geschaffene wie verlegte Bücher. Unter diesem Label existiert dann noch die edition mote, unter dem ebenfalls von Meyer gestaltete und herausgegebene Bücher erscheinen. Dies deutet an, dass der Künstler hier auf mehreren Wegen unterwegs sein will. Da sind einerseits also die Malerbücher, die Perlen, die Einzelstücke, und andererseits die in der Edition in kleinen Stückzahlen hergestellten Titel. Auch bei diesen in Auflage erschienenen Büchern geht es Meyer um das Original, um die Zeichnung. Es sind hier zwar die Texte im Buchdruck auf ausgesuchte Papiere gedruckt worden, aber typografisch so in Szene gesetzt, dass genug Raum bleibt, um Zeichnungen mit der Hand zu ergänzen. Liegen die gedruckten Blätter vor, so ergänzt er 2 – 3 Exemplare langsam mit seinen Zeichnungen. Hier lässt er sich Zeit. Meyer hält das aus und der Markt muss warten.

Sich dabei auf die Arbeit von professionellen Handwerkern wie Buchdruckern und Buch-bindern verlassen zu können, ist für Meyer außerordentlich wichtig. Enttäuschungen werden an dieser Stelle nicht hingenommen, haben Konsequenzen. So sucht sich der Künstler sein Gegenüber. Gegenseitige Wertschätzung ist hier eine der Voraussetzungen für sich ergänzende, qualitätvolle Arbeit.

Es entstehen fadengeheftete, großformatige, unikate Künstlerbücher, gern auch mal in Halbleder, die durchgängig bemalt, übermalt, beschrieben, gestaltet sind. Deckel, Vorsatz, alle Innenseiten, gelegentlich auch mit Schuber. Es sind häufig Malerbücher die sich als Ausgangspunkt immer großen Texten gestellt haben. Die Namensliste ist beeindruckend. Da finden sich Texte von Zeitgenossen wie Michel Houellebecq, Kenzaburo Oe, Karl Mickel, Bert Papenfuß, Durs Grünbein, Uwe Kolbe ebenso wie von Laotse, Hugo von Hofmannsthal, Charles Baudelaire, Arthur Rimbaud, Friedrich Nietzsche, James Joyce, Ossip Mandelstam, Sergej Jessenin, Daniel Charms, Walter Benjamin, Paul Celan, Ezra Pound, Bertolt Brecht und Nelly Sachs. Es kann auch mal ein Text von Bob Dylan oder Tom Waits sein.

Die Ergebnisse sind anerkannt und treffen ganz offensichtlich auf Gegenliebe. Seine Bücher haben mittlerweile in zahlreiche europäische und außereuropäische Sammlungen Eingang gefunden. Qualität und Ideenreichtum werden auf diese Weise anerkannt.

Wir hoffen, dass das weiter geht und sind durchaus gespannt.

Uwe Warnke                                                                        Berlin, den 17.12.2008

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